Historische Nachtwächterführung mit Jutta Linthe begeisterte zahlreiche Besucher

Im Rahmen der Heimatpflege‑Reihe „Heimat gestern und heute“ fand am Montag erneut eine gut besuchte Veranstaltung in Niemegk statt. Jutta Linthe, in ihrer Rolle als Anna Törlitz, Tochter des ehemaligen Nachtwächters der Großengasse, nahm die Teilnehmenden mit auf eine lebendige und eindrucksvolle Reise durch die Niemegker Stadtgeschichte.

Der Rundgang begann an der historischen Postmeilensäule, die zur damaligen Zeit noch außerhalb des Stadtgebietes lag. Von dort aus führte uns „Anna Törlitz“ ausgerüstet mit Signalpfeife, Feuerhorn, Hellebarde und Laterne in die Welt des Nachtwächterwesens vergangener Jahrhunderte.

Schon zu Beginn wurde die Gruppe gedanklich in das alte Niemegk zurückversetzt: Gemeinsam überquerten wir den heute nicht mehr sichtbaren kleinen Bach, der früher oberirdisch durch die Stadt floss. Dieses klare Wasser war einst eine wichtige Voraussetzung für das Brauen des Niemegker Bieres,  ein Getränk, das den Bewohnerinnen und Bewohnern über Generationen hinweg sprichwörtlich die Lebensgeister weckte. Ebenso imaginär überwand die Gruppe die ehemalige Zugbrücke, den damaligen Zugang in die Stadt.

Während der Führung erklärte Jutta Linthe anschaulich die Aufgaben eines Nachtwächters. Die kurzen Pfeifsignale dienten früher zur Beruhigung der Bevölkerung, sie kündigten an, dass der Nachtwächter unterwegs war und keine Gefahr mehr bestand. Gleichzeitig wurde auf diese Weise die Uhrzeit mitgeteilt. Besonders eindrucksvoll war die Schilderung der belebten Großengasse: 11 florierende Schankwirtschaften bei insgesamt 58 Häusern mit Braurecht sorgten für reichlich nächtliche Aktivität. Kein Wunder also, dass der Nachtwächter hier ein besonders wachsames Auge haben musste, um die eine oder andere handfeste Auseinandersetzung zu schlichten.

Die Führung bot zudem spannende Einblicke in das gewerbliche Leben jener Zeit. Neben Bäckern und Fleischern prägten auch Schmiede, ein Brunnenbauer sowie ein Kolonialwarenladen das Stadtbild. Am Ende der Rosengasse befand sich damals sogar ein Freudenhaus, eine von vielen kleinen Anekdoten, die die Nachtwächterin humorvoll und lebendig wiedergab.

Auch über Rathaus und Kirche berichtete Stadtführerin Jutta Linthe ausführlich und mit vielen historischen Details. Mit ihrer lebhaften Art und ihrer „Plauderei aus dem Nähkästchen der Nachtwächterin“ gelang es ihr, zahlreiche Stadtgeheimnisse und oft vergessene Geschichten wieder zum Leben zu erwecken.

Die Nachtwächterführung wurde von den Besucherinnen und Besuchern mit großem Interesse und viel herzlichem Applaus aufgenommen und zeigte einmal mehr, wie wertvoll lebendige Heimatpflege für das Verständnis der eigenen Geschichte ist.